Im Baumarkt stehen fünf Kanister nebeneinander, auf allen steht „Grundierung”, und in der Kaufentscheidung entscheidet der Preis. Das ist der Moment, in dem die meisten Renovierungen ihren späteren Ärger einkaufen.
Denn „Grundierung” ist kein Produkt. Es ist eine Aufgabe, und je nach Untergrund braucht sie völlig verschiedene Antworten.
Die vier Fälle
Fall 1: Frischer Putz oder Gipskarton — Tiefgrund
Ein frisch verputzter oder gespachtelter Untergrund saugt. Wer direkt Farbe darauf rollt, verliert das Bindemittel in die Wand, und was oben bleibt, kreidet.
Tiefgrund ist eine dünne Lösung, die einzieht und die oberen Millimeter verfestigt. Er baut keinen Film auf, er verschwindet in der Wand. Man erkennt den Erfolg daran, dass die Wand danach gleichmäßig glänzt, wenn man von der Seite draufschaut — vorher glänzt sie fleckig.
Kostet wenig, dauert eine Stunde, spart einen ganzen Anstrich.
Fall 2: Alte Dispersionsfarbe, gleichmäßig — gar nichts
Der häufigste aller Fälle, und der einzige, in dem die richtige Antwort „nichts kaufen” ist. Eine Wand, die vor fünf Jahren gestrichen wurde, gleichmäßig aussieht und beim Drüberwischen nicht kreidet, braucht keine Grundierung. Sie braucht Farbe.
Der Test dauert zehn Sekunden: mit dem Handrücken über die Wand streichen. Bleibt weißer Staub daran, kreidet die Wand und braucht Tiefgrund. Bleibt nichts daran, kann man streichen.
Fall 3: Lack, Fliesen, Melamin, alte Öltüren — Haftgrund
Hier hilft Tiefgrund nicht nur nicht, er ist der Fehler. Auf einer glatten, nicht saugenden Fläche kann nichts einziehen. Der Tiefgrund trocknet als dünner Film auf, der keine Haftung hat, und nimmt beim ersten Klebebandabzug alles mit, was darüber liegt.
Was hier gebraucht wird, ist ein Haftgrund oder Haftprimer: ein Produkt mit Füllstoffen, das eine mechanisch griffige Oberfläche erzeugt. Und davor gehört, egal was auf der Dose steht, immer dasselbe: anschleifen und entfetten.
Der häufigste Grund, warum eine lackierte Tür nach einem halben Jahr an der Klinke abblättert, ist nicht der Lack. Es ist das ausgelassene Entfetten.
Fall 4: Nikotin, Wasserränder, Ruß, Filzstift — Absperrgrundierung
Der Sonderfall, für den es Spezialprodukte gibt, meist auf Schellackbasis. Sie riechen streng, sie sind teuer, das Werkzeug ist danach nur mit Spiritus zu retten — und sie sind die einzigen, die den gelben Streifen wirklich verschwinden lassen.
Alles andere ist Zeitverschwendung. Ein Wasserrand kommt durch drei Anstriche Weiß hindurch, weil er wasserlöslich ist und mit jeder Schicht wieder nach oben wandert.
Der teure Umweg, den viele nehmen
Weil das kompliziert klingt, kaufen viele Menschen drei Gebinde: Tiefgrund für die eine Wand, Haftgrund für die Tür, irgendetwas Absperrendes für die Küche. Zusammen 60 bis 90 Euro, und von jedem Gebinde bleiben zwei Drittel im Keller stehen.
Für eine normale Wohnungsrenovierung ist der pragmatischere Weg ein einzelner Universal-Haftprimer, der Gipskarton, alte Dispersion und lackiertes Holz gleichermaßen abdeckt. Er kostet pro Liter mehr und pro Wohnung weniger — und man muss vorher nicht wissen, in welchem der vier Fälle man steckt.
Was er nicht kann, ist der vierte Fall. Gegen Nikotin hilft nur der Spezialist.
Die Kurzfassung für den Baumarkt
| Untergrund | Was Sie brauchen |
|---|---|
| Frischer Putz, Gipskarton | Tiefgrund |
| Alte Wandfarbe, gleichmäßig | nichts |
| Alte Wandfarbe, kreidend | Tiefgrund |
| Lack, Fliesen, Möbelfronten | Haftgrund + anschleifen + entfetten |
| Nikotin, Wasserflecken | Absperrgrundierung auf Schellackbasis |
| Gemischt, eine Wohnung | Universal-Haftprimer |
Wer diese sechs Zeilen abfotografiert und mitnimmt, spart im Zweifel mehr Geld als mit jedem Sonderangebot im Regal daneben.