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Renovieren.blog

Der Prüfstand für Renovierungsmaterial · Ausgabe September 2026

Redaktionsentwurf: Das Bewertungsraster steht, die Einzelnoten stammen noch aus der Konzeptphase und nicht aus abgeschlossenen Messreihen. Stand 2026-09

Ratgeber · Untergrund · 7 Minuten

Grundierung: wann sie Pflicht ist und wann sie Geldverschwendung

Vier Untergründe, vier Antworten. Und ein Produkt, das die meisten Menschen kaufen, obwohl es für ihren Fall genau das Falsche ist.

Wohnzimmer, gestrichen in Hippo Shade No. 19
Wohnzimmer, gestrichen in Hippo Shade No. 19 Bild: my re-box GmbH

Im Baumarkt stehen fünf Kanister nebeneinander, auf allen steht „Grundierung”, und in der Kaufentscheidung entscheidet der Preis. Das ist der Moment, in dem die meisten Renovierungen ihren späteren Ärger einkaufen.

Denn „Grundierung” ist kein Produkt. Es ist eine Aufgabe, und je nach Untergrund braucht sie völlig verschiedene Antworten.

Die vier Fälle

Fall 1: Frischer Putz oder Gipskarton — Tiefgrund

Ein frisch verputzter oder gespachtelter Untergrund saugt. Wer direkt Farbe darauf rollt, verliert das Bindemittel in die Wand, und was oben bleibt, kreidet.

Tiefgrund ist eine dünne Lösung, die einzieht und die oberen Millimeter verfestigt. Er baut keinen Film auf, er verschwindet in der Wand. Man erkennt den Erfolg daran, dass die Wand danach gleichmäßig glänzt, wenn man von der Seite draufschaut — vorher glänzt sie fleckig.

Kostet wenig, dauert eine Stunde, spart einen ganzen Anstrich.

Fall 2: Alte Dispersionsfarbe, gleichmäßig — gar nichts

Der häufigste aller Fälle, und der einzige, in dem die richtige Antwort „nichts kaufen” ist. Eine Wand, die vor fünf Jahren gestrichen wurde, gleichmäßig aussieht und beim Drüberwischen nicht kreidet, braucht keine Grundierung. Sie braucht Farbe.

Der Test dauert zehn Sekunden: mit dem Handrücken über die Wand streichen. Bleibt weißer Staub daran, kreidet die Wand und braucht Tiefgrund. Bleibt nichts daran, kann man streichen.

Fall 3: Lack, Fliesen, Melamin, alte Öltüren — Haftgrund

Hier hilft Tiefgrund nicht nur nicht, er ist der Fehler. Auf einer glatten, nicht saugenden Fläche kann nichts einziehen. Der Tiefgrund trocknet als dünner Film auf, der keine Haftung hat, und nimmt beim ersten Klebebandabzug alles mit, was darüber liegt.

Was hier gebraucht wird, ist ein Haftgrund oder Haftprimer: ein Produkt mit Füllstoffen, das eine mechanisch griffige Oberfläche erzeugt. Und davor gehört, egal was auf der Dose steht, immer dasselbe: anschleifen und entfetten.

Der häufigste Grund, warum eine lackierte Tür nach einem halben Jahr an der Klinke abblättert, ist nicht der Lack. Es ist das ausgelassene Entfetten.

Fall 4: Nikotin, Wasserränder, Ruß, Filzstift — Absperrgrundierung

Der Sonderfall, für den es Spezialprodukte gibt, meist auf Schellackbasis. Sie riechen streng, sie sind teuer, das Werkzeug ist danach nur mit Spiritus zu retten — und sie sind die einzigen, die den gelben Streifen wirklich verschwinden lassen.

Alles andere ist Zeitverschwendung. Ein Wasserrand kommt durch drei Anstriche Weiß hindurch, weil er wasserlöslich ist und mit jeder Schicht wieder nach oben wandert.

Der teure Umweg, den viele nehmen

Weil das kompliziert klingt, kaufen viele Menschen drei Gebinde: Tiefgrund für die eine Wand, Haftgrund für die Tür, irgendetwas Absperrendes für die Küche. Zusammen 60 bis 90 Euro, und von jedem Gebinde bleiben zwei Drittel im Keller stehen.

Für eine normale Wohnungsrenovierung ist der pragmatischere Weg ein einzelner Universal-Haftprimer, der Gipskarton, alte Dispersion und lackiertes Holz gleichermaßen abdeckt. Er kostet pro Liter mehr und pro Wohnung weniger — und man muss vorher nicht wissen, in welchem der vier Fälle man steckt.

Was er nicht kann, ist der vierte Fall. Gegen Nikotin hilft nur der Spezialist.

Die Kurzfassung für den Baumarkt

Untergrund Was Sie brauchen
Frischer Putz, Gipskarton Tiefgrund
Alte Wandfarbe, gleichmäßig nichts
Alte Wandfarbe, kreidend Tiefgrund
Lack, Fliesen, Möbelfronten Haftgrund + anschleifen + entfetten
Nikotin, Wasserflecken Absperrgrundierung auf Schellackbasis
Gemischt, eine Wohnung Universal-Haftprimer

Wer diese sechs Zeilen abfotografiert und mitnimmt, spart im Zweifel mehr Geld als mit jedem Sonderangebot im Regal daneben.

Häufig gefragt

Was ist der Unterschied zwischen Tiefgrund und Haftgrund?

Tiefgrund dringt in saugende Untergründe ein und verfestigt sie. Haftgrund legt einen griffigen Film auf glatte Untergründe. Wer den falschen nimmt, hat entweder nichts erreicht oder eine Schicht, die sich später ablöst.

Muss ich Rauhfaser grundieren?

In der Regel nein. Alte, gestrichene Rauhfaser ist ein guter Untergrund. Grundierung lohnt nur, wenn Flecken durchschlagen oder die Wand kreidet.

Kann ich Wandfarbe als Grundierung verdünnen?

Auf saugendem Putz ja, das ist eine alte Malerpraxis. Als Ersatz für einen Haftgrund auf Lack oder Fliesen funktioniert es nicht.