Es gibt beim Renovieren teure Entscheidungen und billige. Diese hier ist die billigste von allen, und sie wird am häufigsten falsch getroffen.
Der Aufbau
Zwei Wände in demselben Raum, je 12 m², frisch gespachtelte Q3-Glattwand — also die unbarmherzigste Oberfläche, die es im Wohnungsbau gibt. Dieselbe Farbe, dieselbe Hand, derselbe Tag. Danach eine Aufnahme im Streiflicht mit einer Baustrahler-Leuchte, aus fünf Metern.
Bewertet wurde blind: Die Aufnahmen bekamen drei Personen ohne die Information, welche Wand mit welcher Walze gestrichen wurde.
Das Ergebnis
Alle drei erkannten dieselbe Wand als die schlechtere, und alle drei nannten denselben Grund: sichtbare Bahnen im Abstand von rund 25 Zentimetern — also genau in der Breite der Walze.
Was dahintersteckt, ist keine Magie, sondern Florhöhe und Gleichmäßigkeit. Der Flor einer billigen Walze ist ungleichmäßig gestopft und gibt an den Rändern weniger Farbe ab als in der Mitte. Bei jeder Bahn entsteht damit ein minimaler Auftragsunterschied. Auf Raufaser verschwindet er in der Struktur. Auf einer glatten Wand tut er das nicht.
Der zweite Unterschied: das Nachtanken
Die Profiwalze nahm pro Tauchgang 196 Gramm Farbe auf und schaffte damit 1,5 m². Die billige nahm 128 Gramm auf und kam 0,9 m² weit.
Das klingt nach Buchhaltung und ist in Wirklichkeit der Grund, warum die eine Wand gleichmäßiger wird: Wer öfter nachtanken muss, setzt öfter neu an. Jeder Ansatz ist eine mögliche Kante.
Für 12 m² bedeutete das acht Tauchgänge gegen dreizehn.
Und der Farbregen
Über der billigen Walze war die Abdeckfolie nach 12 m² flächig gesprenkelt — die Spritzer waren nicht mehr zählbar. Unter der Profiwalze waren es 31 auf vier Quadratmetern.
Wer schon einmal eine Decke gestrichen hat, weiß, was das für die Brille bedeutet.
Die Rechnung über die Zeit
Der einzige Punkt für die günstige Walze ist der Anschaffungspreis, und er hält genau eine Renovierung. Nach fünf Streich- und Auswaschzyklen war der Flor der billigen Walze platt und der Kern aufgequollen — sie war nicht mehr zu gebrauchen. Die Profiwalze hatte einen leicht verkürzten Flor und war weiter einsetzbar.
Auf fünf Renovierungen gerechnet: 5 × 7,49 € = 37,45 € gegen einmal 21,90 €.
Das Fazit in einem Satz
Es gibt beim Renovieren keine billigere Möglichkeit, ein sichtbar besseres Ergebnis zu bekommen, als vierzehn Euro mehr für die Walze auszugeben.